Selbstverständnis der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft
e.V.
Denkschrift
Leitbild
Beitrag zur Qualität der Arbeits-
und Lebensbedingungen
Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e.V. fördert durch disziplinübergreifende, ganzheitliche Forschungs- und Gestaltungskonzepte die Qualität der Arbeits- und Lebensbedingungen.
Umsetzung des Leitbildes
Ganzheitliche, disziplinübergreifende
Konzepte
Die Analyse, Beurteilung und Gestaltung menschlicher Arbeit, aber auch die Gestaltung menschengerechter Produkte, Dienstleistungen, Systeme und Umwelten erfordern das Wissen aus verschiedenen wissenschaftlichen und praxisorientierten Einzeldisziplinen.
Dazu zählen u.a. Arbeits- und Organisationspsychologie, Arbeitsmedizin, Arbeitsphysiologie, Arbeitssoziologie, Arbeitspolitik, Arbeitspädagogik sowie Ingenieur-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.
Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e.V. führt dieses Wissen mit wissenschaftlichem Anspruch zusammen. Das heißt, ihre Besonderheit bezieht die Arbeitswissenschaft - und damit auch die GfA - aus der Zusammenführung der Einzeldisziplinen (Arbeitswissenschaften) zu einer ganzheitlichen Sicht.
Ganzheitlich bedeutet in diesem Zusammenhang
nicht nur die Integration von Einzeldisziplinen, sondern auch die Vereinbarkeit
unterschiedlicher Zielsetzungen, wobei humane und wirtschaftliche Ziele
eine besondere Rolle spielen.
Human ist eine Arbeit dann, wenn sie menschengerecht und menschenwürdig
ausgeführt werden kann und damit die physische und psychische Gesundheit
nicht beeinträchtigt und auch das Wohlbefinden nicht nachhaltig stört.
Sie sollte den Bedürfnissen und Qualifikationen entsprechen und einen
individuellen und/oder kollektiven Einfluß ermöglichen. Schließlich
ist eine Entwicklung der Persönlichkeit durch Arbeit im Sinne einer
Entfaltung von Potentialen und Förderung von Kompetenzen anzustreben.
Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit muß berücksichtigt werden, daß Lösungswege auf der Ebene einer einzelnen Organisation "wirtschaftlich" sein können, sich aber auf der volkswirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Ebene als "unwirtschaftlich" erweisen. Alle diese Beurteilungsebenen sollten deshalb berücksichtigt werden.
Die spezifische Aufgabe der GfA besteht in der Förderung der wissenschaftlichen und fachlichen Belange der Arbeitswissenschaft. Dazu pflegt sie die Verbindung unter den an der Arbeitwissenschaft Interessierten im deutschen Sprachraum und auf internationaler Ebene. Sie versteht sich dabei auch in besonderem Maße als aktives Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis sowie allen interessierten gesellschaftlichen Gruppen.
Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e.V. entwickelt und sichert professionelle Standards (z.B. durch Mitwirkung in der Normung oder als deutscher Partner für die Zertifizierung zum Euro-Ergonom, aber auch durch Begutachtungsverfahren für Zeitschriften- und Kongreßbeiträge). Soweit möglich und erforderlich vertritt sie die Interessen ihrer Mitglieder in fachlicher Hinsicht.
Grundlagen der Umsetzung
Mensch und Arbeit in komplexen
Systemen
- Die (Arbeits-)Gesellschaft unterliegt einem ständigen Wandel, der eine entsprechende Weiterentwicklung der Arbeitswissenschaft erfordert. Dabei werden Zielkonflikte und Spannungen auftreten und als normal akzeptiert.
- Arbeitswissenschaftliche Forschung und Gestaltung ist sich stets der Besonderheit des Menschen bewußt.
- Arbeitswissenschaftliches Handeln zielt auf eine vorausschauende an humanen und wirtschaftlichen Kriterien orientierte Gestaltung von Arbeit, Technik und Organisation.
- Arbeitswissenschaftliche Problemlösungen sind einem Konzept verpflichtet, das allen Akteuren (z.B. Beschäftigte, Management, Kapitalgeber, Gesellschaft) einen Nutzen bringt.
- Die von der Analyse, Beurteilung und Gestaltung betroffenen Personen werden - wo immer möglich - an diesen Prozessen beteiligt.
- Die Arbeitswissenschaft befaßt sich auch mit der Analyse, Beurteilung und Gestaltung von Nicht-Erwerbsarbeit (z.B. Hausarbeit, Eigenarbeit, Bürgerarbeit etc.).
- Die Gesellschaft für Arbeitswissenschaft
e.V. und deren Mitglieder fühlen sich dem gesellschaftlichen Ziel
verpflichtet, wo immer möglich, Beiträge zur Erhaltung, Schaffung
und (angemessenen) Verteilung von humaner, wirtschaftlicher und umweltverträglicher
Arbeit zu leisten
Zielgruppen
Zielgruppe der GfA sind alle "arbeitswissenschaftlich
tätigen oder interessierten Akteure". Diese nehmen einerseits
in der Praxis Aufgaben der Analyse, Beurteilung und Gestaltung von Arbeit
wahr, können andererseits aber auch an der Gestaltung von Produkten
und Prozessen beteiligt sein. Schließlich sind alle, die Umsetzungsverantwortung
tragen (z.B. Führungskäfte), hier einzubeziehen.
Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse werden an Universitäten bzw.
Hochschulen und anwendungsorientierten Forschungsinstituten erarbeitet
und verbreitet sowie durch die in Unternehmen tätigen Arbeitswissenschaftlerinnen
und Arbeitswissenschaftler ergänzt und umgesetzt.
Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verbänden, staatlichen Institutionen und Selbsthilfeorganisationen sind arbeitswissenschaftlich tätig. Die Zielgruppe der GfA ist dementsprechend weit gefaßt. Zu den inhaltlichen Kernbereichen zählen:
- Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Produktgestaltung
- Arbeits- und Organisationsgestaltung
- Organisationsentwicklung und Arbeitspolitik
Geht man davon aus, daß jeder Mensch
im Laufe seines Lebens mit vielfältigen Formen von Arbeit konfrontiert
wird und sich täglich mit Ergebnissen von Arbeit (im Sinne von Produkten
und Dienstleistungen) auseinanderzusetzen hat, dann wird das weite Spektrum
arbeitswissenschaftlicher Themen deutlich.
Die GfA will dazu beitragen, diese Inhalte nicht nur unter ihren Mitgliedern
zu verbreiten, sondern für möglichst viele Menschen zu erschließen.
Dazu ist es erforderlich, arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse in die Ausbildung all jener zu integrieren, die diese Inhalte unmittelbar (z.B. in der Produktions- und Produktgestaltung, Arbeitsorganisation und betriebliche Organisationsentwicklung, im Arbeitsschutz, der Arbeitsgestaltung, der Personalentwicklung und in arbeitspolitisch bedeutsamen Bereichen) oder mittelbar (z.B. in der Ausbildung, Investitionsplanung, im Einkauf, in Personalabteilungen oder bei Führungsaufgaben) benötigen. Darüber hinaus sollten arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und Anliegen auch in allgemeinbildenden, insbesondere aber in berufsbildenden Schulen vermittelt werden.
Die GfA setzt sich für den Transfer arbeitswissenschaftlichen Wissens durch die Organisation geeigneter "Plattformen" (z.B. Kongresse, Workshops, Publikationen, Clearingstellen für Beratung, Stellenbörsen etc.) ein.
Dortmund, im Frühjahr 1999
Gesellschaft für
Arbeitswissenschaft e.V.